Was misst du eigentlich, wenn du deine Marke misst?

München, den 08.07.2026
Autor: Andreas Wiehrdt

Viele Unternehmen messen ihre Marke. Irgendwie.

Manche schauen einmal im Jahr auf ihre Markenbekanntheit. Andere fragen ihre Kundschaft nach dem Net Promoter Score (NPS — eine Kennzahl, die misst, wie wahrscheinlich Kunden eine Weiterempfehlung sind). Wieder andere tracken Follower-Zahlen und nennen das Marken-Controlling.

Das ist ungefähr so aussagekräftig, wie einmal im Jahr auf die Waage zu steigen und daraus auf den eigenen Gesundheitszustand zu schließen.

Eine einzelne Zahl ist kein Befund. Sie ist eine Momentaufnahme. Und Entscheidungen auf Basis einer Momentaufnahme zu treffen, ist riskant.

Hier ein Beispiel: Eine Marke mit hoher Bekanntheit, aber schwacher Präferenz verliert Kaufentscheidungen an die Konkurrenz — obwohl »alle sie kennen«. Eine Marke mit loyalen Stammkundinnen und -kunden, die kaum neue Zielgruppen erreicht, schrumpft still vor sich hin. Beides sind Marken in Schwierigkeiten. Beides würdest du nicht sehen, wenn du nur eine Kennzahl trackst.

Wer nur eine Kennzahl misst, sieht nur einen Ausschnitt. Die anderen drei Dimensionen liegen unbeachtet daneben — dabei wären sie oft die aussagekräftigeren.
Abbildung: BrandDoctor, mit KI generiert.

 

Wer seine Marke wirklich verstehen will, braucht kein dickeres Dashboard. Er braucht die richtigen vier Fragen — und Antworten auf alle vier gleichzeitig.

Genau das leistet der Brand Health Check.

Er misst die Markenperformance entlang von vier gleichwertigen Dimensionen: Brand Awareness, Brand Image, Brand Preference und Brand Loyalty. Keine Hierarchie, keine Gewichtung. Jede Dimension zeigt etwas, das die anderen nicht zeigen. Erst zusammen ergeben sie einen echten Befund.

In diesem Beitrag lernst du, was hinter jeder Dimension steckt, welche KPIs (Kennzahlen zur Erfolgsmessung) sich eignen und wie du Schritt für Schritt dein eigenes Messsystem aufbaust — auch ohne großes Marktforschungsbudget.

DER BRAND HEALTH CHECK: VIER WERTE, EIN BEFUND

In der Medizin gibt es ein einfaches Prinzip: Bevor du eine Diagnose stellst, schaust du dir mehrere Werte an. Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin, Entzündungsmarker. Keiner dieser Werte allein sagt dir viel. Zusammen erzählen sie eine Geschichte.

Der Brand Health Check funktioniert nach demselben Prinzip.

Er misst deine Marke anhand von vier Dimensionen — gleichzeitig, gleichberechtigt, ohne Rangfolge. Stell dir vor, du hältst ein Laborblatt in der Hand. Vier Felder, vier Messbereiche, vier Antworten auf vier verschiedene Fragen:

Brand Awareness — Kennen die richtigen Menschen deine Marke überhaupt?

Brand Image — Was denken diese Menschen über deine Marke?

Brand Preference — Wählen sie deine Marke, wenn sie die Wahl haben?

Brand Loyalty — Bleiben sie — und kommen sie wieder?

Jede dieser Fragen zielt auf eine andere Ebene der Beziehung zwischen Marke und Mensch. Awareness ist die Voraussetzung für alles andere. Aber Awareness allein kauft niemand. Image formt die Erwartung. Preference entscheidet am Point of Sale. Und Loyalty bestimmt, ob aus einer Kaufentscheidung eine Gewohnheit wird.

Eine Marke, bei der alle vier Werte im grünen Bereich liegen, ist eine gesunde Marke. Eine Marke, bei der einer dieser Werte schwächelt, hat — um im Bild zu bleiben — einen auffälligen Laborwert. Den sollte man nicht ignorieren.

In den nächsten Kapiteln schauen wir uns jeden dieser vier Werte genau an: Was steckt dahinter? Warum ist er wichtig? Und wie misst du ihn?

DIMENSION 1: BRAND AWARENESS — KENNEN SIE DICH ÜBERHAUPT?

Brand Awareness ist die bekannteste der vier Dimensionen. Und gleichzeitig die am häufigsten missverstandene.

Markenbekanntheit bedeutet nicht, dass möglichst viele Menschen deinen Namen schon einmal gehört haben. Es geht darum, dass die richtigen Menschen deine Marke kennen — und zwar zum richtigen Zeitpunkt. Nämlich dann, wenn sie eine Kaufentscheidung treffen.

Dabei unterscheiden wir zwei Ebenen:

  1. Aided Awareness (gestützte Bekanntheit) misst, ob jemand deine Marke erkennt, wenn er sie sieht oder hört. Du zeigst jemandem dein Logo — kennt er es? Das ist die niedrigere Schwelle.

  2. Unaided Awareness (ungestützte Bekanntheit) misst, ob jemand deine Marke spontan nennt, wenn er an deine Kategorie denkt. »Welche Versicherung kommt dir als erstes in den Sinn?« Wer da genannt wird, hat einen echten Wettbewerbsvorteil.

Das Ziel ist nicht maximale Bekanntheit. Das Ziel ist relevante Bekanntheit — bei deiner Zielgruppe, in deiner Kategorie.

Warum ist das wichtig?

Wer nicht bekannt ist, wird nicht gekauft. So einfach ist das. Aber Bekanntheit ist auch die Eintrittskarte ins Consideration Set — also in die gedankliche Auswahlliste, aus der Kundinnen und Kunden ihre finale Kaufentscheidung treffen. Wer dort nicht auftaucht, spielt schlicht nicht mit.

Geeignete KPIs für Brand Awareness:

Unaided Awareness Rate:Der Prozentsatz deiner Zielgruppe, der deine Marke spontan nennt, wenn nach Marken in deiner Kategorie gefragt wird. Dieser Wert ist aussagekräftiger als die gestützte Bekanntheit.

Aided Awareness Rate:Der Prozentsatz, der deine Marke erkennt, wenn sie genannt oder gezeigt wird. Gut als Basiswert — aber allein wenig aussagekräftig.

Share of Search: Wie oft wird deine Marke im Verhältnis zu Wettbewerbern bei Google gesucht? Dieser Wert lässt sich kostenlos über Google Trends oder die Google Search Console tracken und gibt einen guten Näherungswert für relative Bekanntheit.

Reichweite deiner Kommunikationsmaßnahmen: Wie viele Personen aus deiner Zielgruppe erreichst du tatsächlich mit deinen Kampagnen? Reichweite ist kein Selbstzweck — aber sie ist die Voraussetzung dafür, dass Awareness überhaupt entstehen kann.

Einen ausführlichen Beitrag zum Thema Brand Awareness — und warum mehr Bekanntheit nicht automatisch mehr Umsatz bedeutet — findest du hier in meinem Blog: 👉 »Brand Awareness wird überschätzt. Und du gibst zu viel Geld dafür aus.«

DIMENSION 2: BRAND IMAGE — WAS DENKEN SIE WIRKLICH ÜBER DICH?

Brand Awareness beantwortet die Frage, ob jemand deine Marke kennt. Brand Image beantwortet die nächste, unbequemere Frage: Was denkt diese Person dabei?

Das Brand Image ist das Bild, das Menschen im Kopf haben, wenn sie an deine Marke denken. Es besteht aus Assoziationen, Emotionen, Erwartungen und Urteilen — und es entsteht nicht durch das, was du über deine Marke sagst. Es entsteht durch das, was Menschen über deine Marke erleben und hören.

Das ist der entscheidende Punkt: Du kannst dein Brand Image beeinflussen, aber du kannst es nicht kontrollieren. Es lebt in den Köpfen deiner Zielgruppe — nicht in deinem Markenleitbild.

Und hier wird es für viele Unternehmen unangenehm. Denn das Image, das Kundinnen und Kunden von einer Marke haben, weicht oft erheblich von dem ab, was die Marke selbst über sich denkt. Wer diesen Abstand nicht kennt, kommuniziert an seiner Zielgruppe vorbei.

Warum ist das wichtig?

Das Brand Image entscheidet darüber, ob eine Marke als relevant, vertrauenswürdig und attraktiv wahrgenommen wird. Ein schwaches oder diffuses Image erzeugt keine Präferenz. Und ohne Präferenz hilft auch die beste Awareness-Kampagne nichts.

Konkret: Eine Marke, die von ihrer Zielgruppe als »okay, aber auch nicht anders als die anderen« wahrgenommen wird, wird im Zweifelsfall nicht gewählt. Nicht weil sie schlecht ist. Sondern weil sie kein klares Bild hinterlässt.

Geeignete KPIs für Brand Image:

Markenassoziationen: Welche Eigenschaften, Werte und Emotionen verbinden Menschen spontan mit deiner Marke? Erhoben durch offene Befragungen oder projektive Methoden in der Marktforschung. Der Abgleich mit deiner angestrebten Markenidentität zeigt dir, wo Image und Wunschbild auseinanderklaffen.

Wahrgenommene Qualität: Wie bewerten Kundinnen und Kunden die Qualität deiner Produkte oder Leistungen — unabhängig vom tatsächlichen Qualitätsniveau? Wahrgenommene Qualität ist oft wichtiger als objektive Qualität. Sie lässt sich über Kundenbefragungen und Bewertungsplattformen erheben.

Markensympathie:Mögen Menschen deine Marke? Fühlen sie sich von ihr angesprochen? Sympathy Scores lassen sich über standardisierte Befragungen erheben und über Zeit tracken.

Sentiment-Analyse:Was schreiben und sagen Menschen online über deine Marke? Tools wie Brandwatch, Mention oder auch eine manuelle Auswertung von Bewertungen auf Google, Trustpilot oder Kununu geben dir einen Echtzeit-Einblick in das öffentliche Markenbild.

Mehr über den Unterschied zwischen Brand Image und Brand Identity — und warum die Verwechslung dieser beiden Begriffe teuer werden kann — findest du hier: 👉 »Brand Image und Brand Identity — Was ist eigentlich der Unterschied?«

Der Brand Health Check funktioniert wie ein medizinisches Blutbild: Erst wenn alle vier Werte vorliegen, ergibt sich ein vollständiger Befund.
Abbildung: BrandDoctor, mit KI generiert.

 

DIMENSION 3: BRAND PREFERENCE — WÄHLEN SIE DICH, WENN SIE DIE WAHL HABEN?

Brand Preference ist die Dimension, über die am wenigsten gesprochen wird. Und die am direktesten mit Umsatz zusammenhängt.

Markenpräferenz bedeutet: Wenn deine Zielgruppe zwischen deiner Marke und einer gleichwertigen Alternative wählen kann — wählt sie dich? Nicht weil du günstiger bist. Nicht weil du gerade die einzige verfügbare Option bist. Sondern weil sie deine Marke grundsätzlich vorzieht.

Das ist der Unterschied zwischen einer Marke, die gekauft wird, und einer Marke, die gewählt wird.

Gekauft werden viele Produkte. Gewählt werden wenige Marken. Und nur die gewählten Marken können Preispremium durchsetzen, Werbebudgets effizienter einsetzen und Wachstum ohne permanente Rabattschlachten erzielen.

Brand Preference ist also der Wert, der zeigt, ob deine Markenarbeit wirklich wirkt. Awareness und Image sind Voraussetzungen. Preference ist das Ergebnis.

Warum ist das wichtig?

Weil Märkte voller Alternativen sind. Deine Kundinnen und Kunden kennen dich — Awareness ist da. Sie haben ein positives Bild von dir — Image stimmt. Aber im Moment der Entscheidung greifen sie trotzdem zur Konkurrenz.

Das passiert häufiger, als viele Unternehmen wahrhaben wollen. Und es passiert genau dann, wenn Preference fehlt — wenn die Marke keinen überzeugenden Grund liefert, warum sie die bessere Wahl ist.

Ohne klare Markenpräferenz entscheidet am Ende der Preis. Immer.

Geeignete KPIs für Brand Preference:

Preference Rate:Der Prozentsatz deiner Zielgruppe, der deine Marke aktiv bevorzugt, wenn sie zwischen mehreren Optionen wählen kann. Erhoben durch direkte Befragung: »Welche Marke würdest du wählen, wenn alle Optionen zum gleichen Preis verfügbar wären?« Dieser hypothetische Ansatz isoliert die echte Präferenz von Preis- und Verfügbarkeitseffekten.

Consideration Rate:Wie viele Personen aus deiner Zielgruppe nehmen deine Marke überhaupt in ihre engere Auswahl — ihr sogenanntes Consideration Set? Eine hohe Awareness, aber niedrige Consideration Rate ist ein klares Signal: Die Marke ist bekannt, aber nicht relevant genug, um ernsthaft in Betracht gezogen zu werden.

Win-Rate im Wettbewerbsvergleich:In wie vielen Fällen, in denen deine Marke direkt mit einer Wettbewerbsmarke verglichen wurde, hat deine Marke den Zuschlag bekommen? Im B2B lässt sich das oft direkt aus CRM-Daten ableiten. Im B2C näherungsweise über Marktanteilsentwicklung im Verhältnis zu Wettbewerbern.

Price-Premium-Bereitschaft:Sind Kundinnen und Kunden bereit, für deine Marke mehr zu bezahlen als für ein vergleichbares Konkurrenzprodukt? Und wenn ja, wie viel mehr? Dieser Wert ist einer der stärksten Indikatoren für echte Markenpräferenz — und lässt sich über Conjoint-Analysen (eine Marktforschungsmethode, bei der Befragte zwischen verschiedenen Produktkombinationen wählen) oder einfache Preissensitivitätsbefragungen erheben.

DIMENSION 4: BRAND LOYALTY — BLEIBEN SIE — UND KOMMEN SIE WIEDER?

Brand Loyalty ist die Königsdisziplin der Markenführung. Und gleichzeitig die am meisten überschätzte.

Überschätzt nicht weil sie unwichtig wäre — im Gegenteil. Sondern weil viele Unternehmen glauben, sie hätten loyale Kundinnen und Kunden, obwohl sie in Wirklichkeit nur bequeme haben. Wer immer wieder bei dir kauft, weil du günstig, nah oder vertraut bist, ist nicht loyal. Er ist träge. Das ist ein Unterschied, der sich schmerzhaft zeigt, sobald ein Wettbewerber ein besseres Angebot macht.

Echte Brand Loyalty hat zwei Dimensionen: Verhalten und Einstellung. Verhaltenstreu ist, wer wiederholt kauft. Einstellungstreu ist, wer die Marke aktiv bevorzugt, weiterempfiehlt und verteidigt — auch wenn es günstigere Alternativen gibt. Erst wenn beides zusammenkommt, sprichst du von echter Markentreue.

Und die ist Gold wert. Loyale Kundinnen und Kunden kaufen häufiger, zahlen mehr, wechseln seltener und empfehlen aktiv weiter. Sie sind deine günstigste Neukundengewinnung — weil sie für dich werben, ohne dass du dafür zahlen musst.

Warum ist das wichtig?

Weil Neukundengewinnung teuer ist. Studien legen nahe, dass es je nach Branche fünf bis sieben Mal mehr kostet, eine neue Kundin oder einen neuen Kunden zu gewinnen, als eine bestehende Kundenbeziehung zu erhalten. [Likely] Wer seine loyale Kundenbasis nicht regelmäßig misst und pflegt, verliert sie — oft, ohne es zu merken. Und dann ist der Schaden bereits entstanden.

Geeignete KPIs für Brand Loyalty:

Net Promoter Score (NPS):Die wohl bekannteste Loyalitätskennzahl. Eine einzige Frage: »Wie wahrscheinlich ist es, dass du uns weiterempfiehlst?« — auf einer Skala von 0 bis 10. Wer 9 oder 10 antwortet, ist ein Promoter. Wer 6 oder weniger antwortet, ist ein Detractor. Der NPS ist die Differenz zwischen beiden Gruppen. Einfach zu erheben, einfach zu tracken, gut vergleichbar.

Wiederkaufrate: Wie viele deiner Kundinnen und Kunden kaufen innerhalb eines definierten Zeitraums erneut bei dir? Dieser Wert zeigt das Verhaltensmuster — unabhängig davon, was Menschen in Umfragen sagen.

Customer Lifetime Value (CLV): Wie viel Umsatz generiert eine Kundin oder ein Kunde im Durchschnitt über die gesamte Dauer der Kundenbeziehung? Ein steigender CLV ist ein starkes Signal für wachsende Loyalität. Ein sinkender CLV ist ein Warnsignal — auch wenn die Kundenzahl noch wächst.

Churn Rate:Wie viele Kundinnen und Kunden verlierst du in einem definierten Zeitraum? Besonders relevant für Abonnement-Modelle und wiederkehrende Dienstleistungen. Eine hohe Churn Rate ist oft das erste sichtbare Symptom einer Loyalitätsschwäche — lange bevor sie sich im Umsatz niederschlägt.

Empfehlungsrate:Wie viele Neukunden kommen über aktive Weiterempfehlungen bestehender Kundinnen und Kunden? Dieser Wert zeigt, ob deine loyale Kundschaft tatsächlich für dich wirbt — oder nur still zufrieden ist.

Mehr über die häufigsten Missverständnisse rund um Markentreue — und warum Loyalität kein Schalter ist, den man einfach umlegt — findest du hier: 👉 »7 fatale Missverständnisse zu Markentreue — und wie du sie erkennst und vermeidest.«

Der Brand Health Check misst Markenperformance entlang von vier gleichwertigen Dimensionen: Brand Awareness, Brand Image, Brand Preference und Brand Loyalty. Kein Ranking, keine Gewichtung — erst alle vier Werte zusammen ergeben einen echten Befund.

Ein Klick auf die Abbildung startet den automatischen Download einer PDF-Datei.
Abbildung: BrandDoctor, mit KI generiert.

 

Und ob Brand Loyalty in der heutigen Zeit überhaupt noch funktioniert, diskutiere ich hier: 👉 »Ist Brand Loyalty ein Konzept von gestern?«


SO BAUST DU DEINEN EIGENEN BRAND HEALTH CHECK AUF

Theorie ist gut. Ein funktionierendes Messsystem ist besser.

Die gute Nachricht: Du brauchst kein großes Marktforschungsbudget, um die vier Dimensionen deiner Markenperformance regelmäßig zu messen. Du brauchst einen klaren Prozess, die richtigen Fragen — und die Disziplin, es wirklich zu tun.

Hier ist der Aufbau Schritt für Schritt.

SCHRITT 1: DEFINIERE DEINE ZIELGRUPPE PRÄZISE

Bevor du irgendetwas misst, musst du wissen, bei wem du es messen willst. Brand Performance ist immer relativ zu einer Zielgruppe. Eine Marke kann bei einer Gruppe hochrelevant und bei einer anderen völlig unbekannt sein.

Definiere deshalb zunächst, wessen Meinung für deine Marke wirklich zählt. Das sind in der Regel deine wichtigsten bestehenden Kundinnen und Kunden — plus diejenigen, die du noch gewinnen willst. Nur wenn du weißt, wen du fragst, sind deine Messwerte aussagekräftig.

SCHRITT 2: WÄHLE FÜR JEDE DIMENSION EINEN LEIT-KPI

Fang nicht damit an, alle möglichen Kennzahlen gleichzeitig zu erheben. Das überfordert und führt zu nichts. Wähle stattdessen für jede der vier Dimensionen zunächst einen Leit-KPI — den Wert, der dir den verlässlichsten Einblick in diese Dimension gibt.

Ein möglicher Startpunkt:

Für Brand Awareness → Unaided Awareness Rate in deiner Zielgruppe.
Für Brand Image → Markensympathie-Score plus offene Assoziationsabfrage.
Für Brand Preference → Preference Rate im direkten Wettbewerbsvergleich.
Für Brand Loyalty → Net Promoter Score (NPS).

Das sind vier Fragen. Vier Werte. Ein erster vollständiger Befund.

SCHRITT 3: BAUE EINE EINFACHE MESSBEFRAGUNG

Die vier Leit-KPIs lassen sich in einer einzigen, kurzen Befragung erheben. Zehn bis fünfzehn Fragen reichen dafür aus. Du kannst dafür Tools wie Typeform, Google Forms oder SurveyMonkey nutzen — alle sind kostenlos oder günstig verfügbar.

Wichtig: Befrage nicht nur deine bestehenden Kundinnen und Kunden. Die kennen dich bereits. Für Awareness und Preference brauchst du auch Stimmen aus deiner Zielgruppe, die dich noch nicht kennen oder noch nicht bei dir gekauft haben. Das ist aufwändiger, aber notwendig für ein vollständiges Bild.

SCHRITT 4: ERGÄNZE MIT VORHANDENEN DATEN

Nicht alle KPIs müssen durch Befragungen erhoben werden. Viele Werte schlummern bereits in deinen bestehenden Systemen.

Wiederkaufrate und Churn Rate findest du in deinem CRM oder deiner Buchhaltungssoftware. Den Share of Search trackst du kostenlos über Google Trends. Sentiment und Markenassoziationen kannst du näherungsweise aus Google-Bewertungen, Trustpilot-Rezensionen oder Social-Media-Kommentaren ableiten. Und die Win Rate im Wettbewerbsvergleich steckt oft schon in deinen Verkaufsdaten — du musst sie nur auswerten.

Ein guter Brand Health Check kombiniert Befragungsdaten mit vorhandenen Verhaltensdaten. Beides zusammen ergibt ein vollständigeres Bild als jede Quelle allein.

SCHRITT 5: LEGE REFERENZWERTE FEST

Eine Kennzahl allein sagt wenig. Erst im Vergleich wird sie aussagekräftig.

Dafür brauchst du zwei Arten von Referenzwerten: erstens deine eigenen Vorjahreswerte — wie haben sich deine vier Dimensionen über die Zeit entwickelt? Zweitens Branchenbenchmarks — wo stehst du im Vergleich zu deinen wichtigsten Wettbewerbern?

Beim ersten Mal hast du noch keine Vorjahreswerte. Das ist kein Problem. Deine erste Messung ist dein Referenzwert. Wichtig ist nur, dass du ab jetzt regelmäßig und mit denselben Methoden misst — damit deine Werte über die Zeit vergleichbar bleiben.

Ein auffälliger Wert ist kein Problem — er ist ein Hinweis. Wer weiß, wo er steht, kann gezielt handeln. Abbildung: BrandDoctor, mit KI generiert.

 

SCHRITT 6: MISS REGELMÄSSIG — NICHT NUR EINMAL

Das ist der Schritt, an dem die meisten scheitern.

Ein Brand Health Check, der einmal durchgeführt und dann vergessen wird, ist nutzlos. Markenperformance verändert sich langsam — aber sie verändert sich. Wer nicht regelmäßig misst, bemerkt Verschiebungen erst dann, wenn sie sich bereits im Umsatz niedergeschlagen haben.

Plane deshalb feste Messrhythmen ein. Empfehlung: Die vollständige Befragung einmal pro Jahr, ergänzt durch ein quartalsweises Tracking der Verhaltensdaten aus deinen bestehenden Systemen. Das ist handhabbar — auch für kleinere Teams.

SCHRITT 7: LEITE MASSNAHMEN AB — NICHT NUR BERICHTE

Der Brand Health Check ist kein Selbstzweck. Er ist ein Entscheidungsinstrument.

Wenn deine Awareness-Werte schwächeln, ist das ein Signal für mehr Sichtbarkeit. Wenn Image und Awareness stark sind, aber die Preference niedrig bleibt, liegt das Problem in der Positionierung — nicht im Budget. Wenn NPS und Wiederkaufrate sinken, während Neukunden wachsen, verlierst du hinten, was du vorne gewinnst.

Jeder auffällige Wert ist ein Befund. Und auf einen Befund folgt eine Entscheidung — keine Präsentation.


MEHR ZUM THEMA:

👉 »Brand Awareness wird überschätzt. Und du gibst zu viel Geld dafür aus.« — Warum mehr Bekanntheit nicht automatisch mehr Umsatz bedeutet — und welche Fragen du dir stellen musst, bevor du das nächste Awareness-Budget freigibst.

👉»Branding vs. Performance-Marketing: Wie du den Kampf ums Marketingbudget gewinnst.«— Was Brand Health Check-Daten für deinen Alltag bedeuten: wie du mit den vier Dimensionen intern argumentierst — und warum Branding und Performance-Marketing keine Gegensätze sind.

👉 »Was ist eigentlich die Brand Equity meiner Marke?«— Der Brand Health Check misst die Performance deiner Marke. Brand Equity misst ihren langfristigen Wert. Hier erfährst du, wie beides zusammenhängt — und was Aakers Modell dazu sagt.


Ein letzter Gedanke.

Der Brand Health Check ist kein Versprechen, dass alles gut wird, wenn du ihn einmal durchführst. Er ist auch kein Instrument für Unternehmen, die ihre Marke grundsätzlich in Ordnung finden.

Er ist ein Instrument für alle, die wissen wollen, was wirklich los ist.

Und manchmal ist das der unbequemste Schritt von allen.


Der BrandDoctor hilft bei wichtigen Markenentscheidungen mit Tragweite. Als BrandDoctor helfe ich Unternehmern, Gründern und Marketingverantwortlichen sowie Marken- und Designagenturen dabei, ihre wichtigen Marken- und Marketingentscheidungen professionell und Erfolg versprechend zu treffen. Mit innovativen Tools unterstütze ich sie, das wichtige strategische Fundament dafür zu legen, mit ihren Marken nachhaltig erfolgreich am Markt zu agieren.

Über den Autor: Andreas Wiehrdt entwickelt und revitalisiert Marken seit über 20 Jahren. Allein, als Markenstrategieberater oder im Team mit erfahrenen Spezialisten aus seinem Kompetenznetzwerk.

Andreas Wiehrdt

Hallo!
Hier schreibe und sammele ich als BrandDoctor Interessantes, Neues und Hilfreiches zu meinen Themen Markenstrategie und -Design.


Falls euch ein Beitrag gefallen hat, freue ich mich sehr über Likes, Shares, Re-Posts und natürlich Kommentare.


Themenwünsche gerne per E-Mail an meine Marken-Praxis unter doctor@brand-doctor.net


Hier unten könnt ihr meinen gesamten Blog nach Themen durchsuchen, die euch gerade besonders interessieren.

https://www.brand-doctor.net
Zurück
Zurück

Deine Marke performt gut. Aber bewirkt sie auch etwas?

Weiter
Weiter

Deinen gefährlichsten Konkurrenten siehst du nicht kommen.